Schützen Yin und Yang vor Grippe?

Der Herbst ist der Übergang von der sommerlichen Hitze zur winterlichen Kälte. Da in der Schweiz der Kälteeinbruch meistens rasch erfolgt, es sehr viel regnet und die Luftfeuchtigkeit relativ hoch ist, spürt man die Kälte trotz Sonnenschein vielfach nicht. Dies führt zu einer erhöhten Erkältungs-oder Grippeanfälligkeit. Wie kann man sich dagegen schützen?

In China ist es üblich, dass die Menschen im Winter früher schlafen gehen und dafür auch früher aufstehen. Schon um 6 Uhr früh treffen sie sich in Parks und auf Plätzen, um gemeinsam Qi-Gong, Tai-Ji oder andere Arten von Gymnastik zu üben.

Die traditionelle chinesische Medizin (TCM), zu welcher auch Qi-Gong und Tai-Ji gehören, basiert u.a. auf der Philosophie der gegensätzlichen Aspekte von Yin und Yang. Dabei wird idealerweise ein Gleichgewicht von Yin und Yang angestrebt. Das Yin symbolisiert z.B. die Nacht, die Ruhe, die Kälte und den Winter. Das Yang hingegen steht für Tag, Aktivität, Wärme und Sommer. Auch den einzelnen Körperorganen werden Yin und Yang zugeordnet.

Wer stark ist, besiegt die Grippe; wer schwach ist, wird von der Grippe besiegt! So sind beispielsweise für die Abwehrkräfte des Körpers das Yang der Lunge, der Bauchspeicheldrüse und der Nieren zuständig. Um also die Anfälligkeit auf Grippe und Erkältung zu mindern, braucht es eine Stärkung dieses Organfunktionskreises (nicht zu verwechseln mit den Organen in westlichem Sinn !).

Neben der morgendlichen Gymnastik ist es deshalb wichtig, sich rechtzeitig warm anzuziehen. Rheuma, Rücken- und Gelenkschmerzen sowie Bronchialasthma haben vielfach ihren Ursprung in der Kälte-Nässe. In China, wo Lebensmittel auch als Heilmittel betrachtet werden, wird gerade im Herbst auf die richtige Ernährung geachtet: Kalte Getränke, Rohkost, Eiswaren und Nahrungsmittel, die auf Grund ihrer Wirkung dem Yin zugeordnet sind, werden vermieden oder reduziert eingenommen. Milchprodukte, die ebenfalls durch Yin symbolisiert werden, bilden "Schleim" ode "Nässe"im Körper und können somit den Energiefluss und die Zirkulation der Körperflüssigkeiten behindern. Dadurch können Blockaden in verschiedenen Körperbereichen verursacht werden.

Um diese Yin-Lebensmittel wie Gemüse, Obst und Milchprodukte zu "Yangisieren", sollten sie gekocht statt roh bzw. warm eingenommen werden. Auf den Genuss von Getränken direkt aus dem Kühlschrank sowie Eiscreme sollte in der Herbst-/Winterzeit verzichtet werden!

Viele Leute trinken den inzwischen auch ausserhalb Chinas immer beliebteren Grünen Tee, der ja auch für seine blutdruck- und cholesterinsenkende Wirkung bekannt ist. Wegen seiner kühlenden Wirkung (Yin) sollte man in dieser Jahreszeit aber nicht mehr als einen Liter pro Tag warm davon trinken.

Als sehr wirkungsvolle Vorbeugung gegen Grippe und Erkältungen hat sich der Ingwer-Tee bewährt. Dieser Tee ist einfach und schnell zubereitet: Eine frische Ingwerwurzel wird geschält und dann schneidet man ca. 6 dünne Scheiben davon ab. Diese gibt man in 2 dl heisses Wasser und süsst es bei Bedarf mit etwas Honig. Ziehen lassen. Die Wirkung des Ingwer(Yang-Eigenschaft, stärkt die Abwehrkraft) hält so lange an, dass Sie ruhig zwei bis dreimal Wasser nachgiessen können.

Falls Sie bereits erste Anzeichen einer Grippe oder Erkältung spüren (in den ersten 1 bis 3 Tagen), dann hilft erfahrungsgemäss Schröpfen sehr gut, um den Heilungsprozess zu beschleunigen. Diese im Westen schon fast vergessene Behandlungsform hat in China eine grosse Tradition und wird auch heute noch sehr oft mit grossem Erfolg angewendet.

Und schliesslich soll die Nacht (Yin) auch tatsächlich für genügend Schlaf genutzt werden - wer zuwenig schläft, vermindert seinen Yang-Anteil! Dies führt zu einer Disharmonie und einem Ungleichgewicht von Yin und Yang.

Wer sich an diese relativ einfachen Verhaltensregeln hält und somit ein Gleichgewicht von Yin und Yang anstrebt, stärkt seine Abwehrkräfte und ist für den kommenden Winter gut vorbereitet.

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