Kolumne














Wie behandelt die chinesische Medizin Gürtelrose (Herpes Zoster)?

Frau M. kommt in meine Sprechstunde und klagt über stechende Kopfschmerzen auf der rechten Seite. Sie hat diese Schmerzen seit 6 Wochen, am schlimmsten bei Stress oder in der Nacht. Dauernd spürt sie das Brennen und Kribbeln an der Kopfhaut. Sie hat verschiedenen Schmerztabletten genommen, aber trotzdem wacht sie wegen der Schmerzen 2 bis 3 mal pro Nacht auf. Zu Beginn der Kopfschmerzen ging sie sofort zu Ihrem Hausarzt, welcher die Diagnose stellte: Gürtelrose (Herpes Zoster). Damals hatte sie viel Herpes auf der Kopfhaut; nach 6 Wochen Behandlung durch die Schulmedizin ist die Herpes zwar weg, aber die Schmerzen sind geblieben.

Ich untersuche Frau M. nach TCM (Traditionelle Chinesische Medizin), vor allem auch mittels Puls-Zungendiagnostik. Dann erkläre ich Frau M. meine TCM-Diagnose: "Hitze im Herz-Leber-Meridian, Qi-Blut-Stagnation". Um die "Hitze" auszuleiten, setze ich zuerst für 20 Minuten Schröpfgläser auf den Rücken der Patientin. Nach dem Entfernen der Gläser bestätigen mir die vielen dunkelroten bis fast schwarzen Flecken auf Frau M.´s Rücken meine Diagnose. Mit einem speziellen Instrument schabe ich dann entlang des Blasenmeridians am Rücken von oben nach unten. Diese Behandlungsmethode heisst chinesisch "Gua-Sha" und beschreibt eine "ausleitende" Heilmethode. Nach etwa 5 Minuten erscheinen viele dunkel-violette Pünktchen an auf dem Rücken der Patientin. Frau M. bestätigt mir sogleich, dass sie sich am Rücken leichter und freier fühlt als vorher.

Dann wende ich noch die chinesische Ohrakupunktur an: Ich klebe kleine Pflaster, welche eine sogenannte Dauernadel enthalten, auf die Akupunkturpunkte am Ohr. In den nächsten Tagen wird Frau M. mehrmals selbst diese Punkte drücken und massieren, um so die Wirkung der Dauernadel aufrecht zu erhalten. Auch wenn sie in der Nacht wegen der Kopfschmerzen aufwacht, wird sie diese Akupunkturpunkte stimulieren können. Nach 3 Tagen kommt die Patientin zum zweiten mal in die Praxis und ist ganz glücklich, gleich die erste Nacht durchgeschlafen zu haben. Um sicher zu gehen, stelle ich für Frau M. noch eine chinesische Kräutermischung (Rezeptur) zusammen, um die innere Hitze und Stauung auszuleiten. Anhand dieses Rezeptes bekommt sie von der Fachapotheke die Kräutermischung in Form gepresster Tabletten, die sie 3 mal täglich für 2 Wochen einnehmen wird.

Durch Gespräche mit der Patientin habe ich auch herausgefunden, welche psychischen Ursachen für die Gürtelrose mitverantwortlich sind. Nachdem ich Frau M. erklärt habe, dass in der TCM oft Ärger oder Wutanfälle der Auslöser für eine Gürtelrose sind, hat mir Frau M. bestätigt, dass sie sich beruflich in einer schwierigen Situation sehr geärgert hat. Nun muss sie diese Situation mit positiver Einstellung gut meistern, damit die Gürtelrose keine Chance mehr bekommt. Sie hat bei mir eine QiGong-Übung gelernt, welche speziell für ihren Fall geeignet ist und welche sie am Morgen und am Abend jeweils 10 Minuten lang praktiziert und, wenn möglich, auch während des Tages zwischendurch. Frau M. bekommt während 6 Wochen insgesamt 7 Behandlung mit Körperakupunktur. Sie ist nun nicht nur von den Kopfschmerzen befreit, sondern sie spürt ihre innere Ruhe und Harmonie wieder. Nun hat sie die besten Voraussetzungen, nicht mehr von einer Gürtelrose befallen zu werden.

Zurück