Kolumne














Geschwollene Beine: wie geht die chinesischen Medizin damit um?

Geschwollene Beine treten oft auf bei Krankheiten wie Herzschwäche, Venenthrombose, Nierenschädigungen, Schilddrüsenunterfunktion, Diabetes, Leberzirrhose. Bei Allergien, nach Venenoperationen, einer lokalen Entzündung oder Bestrahlung und bei Verletzungen können Beine ebenfalls anschwellen.

In der TCM unterscheidet man zwischen äusserlichen, klimatischen Ursachen wie Wind und Feuchtigkeit (dringen durch die Haut und schaden der Lungenfunktion) und inneren Faktoren wie z.B. falsche Ernährung (übermässige Einnahme von Rohkost und kalte Speisen können das Milz-Yang mindern und damit die Wasseransammlung in den Gliedmassen vermehren), übermässige körperliche und geistige Anstrengung und übermässige sexuelle Aktivität (schwächt die Nieren-Energie ab und mindert die Ausscheidungskraft). Eine häufige TCM-Diagnose bei inneren Erkrankungen ist Störung oder Energiemangel im Funktionskreis von Lunge, Milz-Pankreas (Bauchspeicheldrüse) oder Nieren.

Wenn jemand seit einigen Jahren an Bluthochdruck leidet und deshalb blutdrucksenkende Medikamente einnimmt, so können die Füsse soweit anschwellen, bis die Schuhe nicht mehr angezogen werden können. Meist nehmen die Patienten dann Entwässerungstabletten und die Schwellung klingt ab. Doch bereits am nächsten Tag ist die Schwellung wieder da. Das gleiche kann nach einer Infektion im Lymphsystem (Eryperie) vorkommen. Beide Beine sind bis zum Fussrücken hin geschwollen; besonders am Abend wird es schlimmer und es stellt sich dazu noch ein Brennen in den Fussohlen ein.

Wird in der TCM mittels einer Zungen-Pulsdiagnostik ein Milz-Yang-Mangel und eine Nierenschwäche festgestellt, wird dem Patienten zuerst eine Umstellung der Ernährung vorgeschlagen. Er soll Esswaren und Getränke warm zu sich nehmen und den Verzehr von kalten, stark salz- oder zuckerhaltigen Speisen massiv reduzieren. Dafür dürfen Fleisch und Fisch vermehrt auf dem Speisezettel erscheinen.

Gleichzeitig beginnt eine wöchentliche Behandlungsserie mit Akupunktur. Nadeln werden ans Ohr oder auf die Akupunkturpunkte am Körper gesetzt und manchmal mit Moxibustion (chinesische Wärmetherapie mit Moxa, einer hauptsächlich aus Beifuss hergestellten Kräuter-Zigarre") kombiniert. Diese Behandlung mit der Moxa-Zigarre kann der Patient auch selber zuhause während täglich 10 bis 20 Minuten durchführen. Um Blockaden zu lösen und zur Ausleitung wird vielfach auch das Schröpfen angewendet. Diese Methode sollte man allerdings nicht bei durch Lymphkreislaufstauung verursachte geschwollenen Beinen anwenden, weil sich dadurch die Schwellung noch verschlimmern kann.

Vorsicht ist auch dann geboten, wenn sich Patienten bereits seit längerer Zeit in einer schulmedizinischen Behandlung befinden. Ich rate von einem abrupten Wechsel zur TCM ab, wenn es sich um Beschwerden wie chronischem Bluthochdruck, Herzerkrankungen, oder einer Behandlung mit Kortison handelt. Die chinesische Medizin kann allenfalls eine gute Ergänzung zur laufenden Therapie sein.

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