Kolumne














Wie werden Schlafstörungen in der traditionellen chinesischen Medizin behandelt?

Ein Beispiel: Ein Patient hat seit 2 Jahren Schwierigkeiten, eine Nacht durchzuschlafen. Er geht um 23 Uhr ins Bett, wacht immer zwischen 1 und 3 Uhr nachts auf und muss sofort 1/2 oder 1 Seresta-Tablette nehmen, weil es sonst 1 bis 2 Stunde dauern kann, bis er wieder einschlafen kann. Oft kann er gar nicht mehr einschlafen. Am morgen klingelt der Wecker um 6:30 Uhr und er muss zur Arbeit, obwohl er noch müde ist. Nach dem Mittagessen würde er sofort einschlafen, wenn er nicht einen starken Kaffee trinken würde. Seine Konzentration ist stark vermindert. Bei der Arbeit ist er oft wegen Kleinigkeiten gereizt. Um nicht von Medikamenten abhängig zu werden, sondern auf natürliche Weise zu einem normalen Schlaf zu kommen, sucht er einen TCM-Arzt auf.

Dieser lässt sich vom Patienten die Zunge zeigen und fühlt mit 3 Finger dessen Pulsstellen auf beiden Seiten. Die Zunge sieht dunkelrot aus, am Zungenrand sieht man blaue Flecken und Zahnabdrücke. Die Zungenspitze ist rot mit dunkelroten, dornähnlichen Punkten; der Puls ist drahtig und schnell. Anhand dieser Puls-Zungen-Befunde, einer Diagnose nach TCM, wird festgestellt: Leber-Qi-Blut-Stagnation, Milz-Qi-Schwäche.

Gemäss chinesischer Fünfwandlungsphase hat jedes Organ 2 Stunden "Dienst". Da von 1 bis 3 Uhr morgens die Leber "Dienst" hat, weist dies auf eine Störung des Leberfunktionskreises hin.

Zur Behandlung werden zuerst 12 Schröpf-Gläser auf den Rücken des Patienten gesetzt, um die "Blockade" auszuleiten. Dann werden kleine Dauernadeln auf das Ohr geklebt, sogenannte Ohr-Akupunktur. Diese Stellen am Ohr soll der Patient dann jeden Tag ca. 10 bis 15 Minuten mit den Fingern pressen und stimulieren.

Der TCM-Arzt wird dem Patienten auch eine individuelle QiGong-Übung als Hausaufgabe auftragen. Diese führt er während 20 Minuten täglich abends im Bett vor dem Schlafen durch.

Der Patient wird sich die Ernährungsberatung nach der chinesischen Ernährungs-lehre zu Herzen nehmen und seinen Kaffeekonsum auf nur eine Tasse pro Tag reduzieren. Auch wird er die Milch warm trinken anstatt kalt wie bisher.

Nach etwa einer Woche fühlt sich der Patient freier in der Brust, das innere Druckgefühl ist weg, er kann nun durchatmen und wacht nicht mehr jede Nacht auf. Bei der zweiten Behandlung bekommt er Körper-Akupunktur an bestimmten Stellen, um das Leber-Qi zu harmonisieren und das Herz-Feuer zu beruhigen. Er wird zusätzlich noch Kräutertee bekommen, welchen er täglich einnehmen sollte. Beim dritten Besuch wird der Patient dem TCM-Arzt mit Begeisterung berichten, dass er während 1 Woche gar keine Seresta mehr genommen hat. Er wird jede Nacht wieder durchschlafen und sich tagsüber richtig fit fühlen können.

Diese Situation spielt sich tatsächlich sehr oft bei meinen Patienten ab und ich kann deshalb alle, die an Schlafstörungen leiden, zu einer solchen Behandlung "der chinesischen Art" nur ermutigen!

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